Ein Überblick über die Christianisierung der Plateau Indianer
von Lockley C. Bremner
20.Juni 2001
Zu Beginn des 19.Jahrhunderts als Lewis & Clark und andere frühere Eroberer den Ureinwohnern
verschiedener Stämme in den Rocky Mountains und in der Gegend des Columbia Plateaus
begegneten, machten sie eine interessante Entdeckung. Erste Kontakte mit Indianern der
Plateau Regionen, belegt durch Aufzeichnungen zahlloser Abenteurer, stimmen alle in einem
Punkt überein. William Clark von der Louis&Clark Expedition beschrieb es folgendermaßen, “Ein
Häuptling kam aus seinem Lager...und führte etwa 200 Männer an, die sich in einem Halbkreis um
uns herumstellten, während sie sangen und im Takt dazu trommelten.... die meisten von ihnen
tanzten an ihrem Platz und vollführten Sprünge, passend zur Musik.“ (Spier 1935, S.19)
David Thompson von der ersten Nordamerikanischen Handelsgesellschaft für Pelze und auch
der erste Weiße, der 1807 die Region der Plateau Stämme erforschte, beschrieb ähnliches
Verhalten in jedem indianischen Camp, das er besuchte. (Spier 1935, S.18).
War diese Begrüßung lediglich ein enthusiastischer Willkommensritus oder aber befanden die
Indianer sich in einer spezifischen Erwartungshaltung?
Hätten die frühen Christen und Missionare die Bedeutung dieses speziellen Empfanges erkannt und
seine Tragweite richtig interpretiert, wäre ihr Erfolg sehr viel größer gewesen.
In diesem Text geht es um die Dynamik des ersten Zusammentreffens zwischen Christen und
Plateau Indianern im frühen 19. Jahrhundert, um das erste Kennenlernen, die Erwartungen beider
Seiten und ihre jeweiligen Glaubensüberzeugungen.
Manche Leser werden es für problematisch halten, dass die Quellen allesamt nicht indianischen
Ursprungs sind. Wir gehen aber von der Glaubwürdigkeit der hier zitierten Schriften und
Sammlungen aus, auch wenn sie manchmal stark einseitig anmuten. Da in der indianischen
Tradition größtenteils mündlich überliefert wurde, sind viele geschichtliche Ereignisse und Daten
heute nicht mehr zugänglich und somit für unsere Generation verloren; wir setzen die verbliebenen
Puzzleteile so gut wir können zusammen. Die hier dargelegten Hauptaussagen entstanden aus einer
Fülle von Berichten und Forschungsergebnissen, die durch die Ähnlichkeit, die sie aufweisen, an
Glaubwürdigkeit gewinnen. Absicht des Verfassers, eines Christen und Native Americans ist es,
eine möglichst eindeutige und umfassende Sichtweise und Interpretation der Ereignisse
zu vermitteln.
Der Erstkontakt zwischen Christen und Plateau Indianern ist vergleichbar mit dem zeitweisen
Ineinanderfließen zweier unterschiedlicher Strömungen, die sich dann ebenso entschieden wieder
voneinander trennen, etwa wie Öl von Wasser. Jede dieser beiden Strömungen, durch die
Jahrhunderte zu etwas Einzigartigem geworden, waren auf einem Kollisionskurs, der ihr Leben
drastisch verändern sollte. Das christliches Gedankengut, das durch die europäische Tradition
geprägt war, unterlag nochmals einer Wandlung durch das Aufkommen des amerikanischen
Zivilisationsverständnisses kurz vor der Expansion der Weißen. Das Leben der Indianer
hingegen war während des 17. und 18.Jahrhunderts ein einzigen großer Alptraum, der seinen
Ausdruck in der Bewegung der sogenannten „Propheten“ fand.
Die angestammte Heimat der Plateau Stämme beginnt auf den Gipfeln der nördlichen Rocky
Mountains, verläuft über weite Strecken durch das Snake und Columbia Becken und umfaßt große
Teile von British Columbia und dem ursprünglichen Oregon.
Die Plateau Indianer gehören überwiegend zwei verschiedenen Sprachgruppen an:
Im Norden ist die Grundsprache Salish, die wiederum 15 verschiedene Sprachen ausgebildet
hat, wie z.B. Spokane, Coeur d`Alene und Flathead.
In den südlichen Regionen lebten die Nachfahren der Penutian Sprachgruppe, die drei verschiedene
Sprachfamilien hervorbrachten ( Miller 1950, S. 10 ).
Trotz der Tatsache, dass jeder Stamm und jedes Dorf autonom war, bildeten sie traditionelle
Gemeinsamkeiten aus. Der Übersichtlichkeit halber fassen wir Sprachgruppen, die kulturell
übereinstimmen, in dieser Abhandlung zusammen. So ist die sogenannte „Prophetenbewegung“ ein
solches kulturelles Phänomen, das in dem gesammten Gebiet gleichermaßen auftrat ( Spier 1935,
S.6 ). Diese Bewegung prägte die religiöse Überzeugung der Plateau Bewohner weitaus mehr, als
jeder Kontakt zu den Weißen. Entstanden durch das Trauma des 18.Jahrhunderts entwickelten sich
die Propheten zur treibenden Kraft bezüglich der religiösen Erwartungen der Plateau Indianer.
Die Visionen und Prophetien, die die Propheten den Stämmen mitteilten, bereiteten diese auf das
Kommen der Weißen vor und ließen ein unstillbares Verlangen entstehen, mehr über die neue
Religion zu erfahren. In seinem Buch „Prophetic Worlds“ erwähnt Christopher Miller (1950)
verschiedene Krisen, die das Kommen der Propheten vorantrieben:
klimatische Veränderungen der kleinen E iszeit, die Einführung des Pferdes, kriegerische
Streitigkeiten unter den Stämmen, Benutzung von Feuerwaffen, zahlreiche Bevölkerungsverluste
durch Epedemien und schwere Vulkanausbrüche (S.29-35).
Die Ureinwohner glaubten, dass jedes bedrohliche Ereignis das direkte Resultat ihres Verhaltens sei
und einer Bestrafung durch den „Großen Geist“ gleichkomme. Diese Grundeinstellung zusammen
mit den erlebten Traumata wurden auf eine Zerreißprobe gestellt, als der „trockene Regen“ fiel.
Miller berichtet:“ Es ist schwer zu sagen, ob der Ascheregen das Faß der Ereiggisse zum Überlaufen
brachte oder nicht, es steht aber außer Frage, dass die prophtischen Tänze mit dem
Regen in Zusammenhang stehen. Sowohl die Spokane alsauch die Nespelem waren in großer
Aufregung, da der Ascheregen ihnen Schlimmes verhieß: „ Sie schlugen die Trommeln und sangen
und eine Zeitlang wurde ihr „Gebetstanz“ Tag und Nacht nicht unterbrochen. Sie beteten zum
„trockenen Schnee“, den sie „Häuptling“ und „Geheimnis“ nannten und und baten um Erklärung für
dieses Phänomen. Die Indianer tanzten unablässig in diesem Sommer ( Miller 1950, S.43 ). Miller
datiert diese Ereignisse auf das Jahr 1770.
Auf alle Fälle begann ein und dieselbe Bewegung an verschiedenen Stellen der Plateau Region
gleichzeitig. Tote wurden lebendig und gaben ihre Botschaften und Visionen weiter, die sie von dem
„Höchsten“ empfangen hatten. Propheten bekamen Visionen vom Himmel und verkündeten das
Ende der Welt. Eine der frühesten, aufgezeichneten Offenbarungen hatte der Prohpet der Spokane,
mit Namen Silimxnotylmilakobok:
`Ich sende euch Botschaften durch die Menschen, die mich besuchen, deren Zeit zu sterben aber
noch nicht gekommen ist. Von Zeit zu Zeit werden sie euch Botschaften bringen; und wenn ihre
Seelen ihre Körper wieder in Besitz nehmen, werden sie euch von ihren Erlebnissen berichten.
Cojote und ich werden nicht wieder gesehen werden, bis Mutter Erde sehr alt geworden ist. Dann
werden wir zur Erde zurückkommen, weil dann eine Veränderung ansteht.
Coyote wird vor mir da sein und wenn ihr ihn seht, dann wird die Zeit gekommen sein.
Wenn ich wiederkomme, werden alle Geister der Verstorbenen mich begleiten. Alle Menschen
werden gemeinschaftlich leben. Mutter Erde wird wieder ihre ursprüngliche Gestalt annehmen und
ihren Kindern eine Mutter sein können, es wird eine gute Ordnung herrschen und es wird große
Freude sein `( Spier 1935, S.11 ).
Diese Offenbarungen trieben die entstehende Bewegung der „Propheten-Tänze“ voran, eine
Bewegung, die allen Stämmen des Nordwestens, ohne Ausnahme, vertraut war ( Spier 1935, S.5 ).
Zwar gab es verschiedene Variationen, aber in den meisten Fällen gab es grundlegende
Charakteristika: die Stammesmitglieder versammelten sich, bildeten einen Halbkreis um den
Propheten oder den Empfänger eines Gesichtes und während sie sangen und im Takt dazu
trommelten blieben sie – Palmenblättern schwenkend - entweder auf ihrem Platz stehen oder
vollführten Sprünge während sie in den Gesang des Propheten einstimmten ( Spier 1935, S.11-15 ).
Dieses geschah abends und ohne Startsignal oder Gesichtsbemalung. In den Pausen, zwischen den
Tänzen, teilte der Prophet seine Botschaft mit, „die ein rasches Ende der Welt und die Erscheinung
eines Boten voraussagte, der sie zum Weitertanzen anhielt“ ( Miller 1950, S.44 )
Die meisten Offenbarungen enthielten ähnliche Elemente: 1. Das Apokalyptische Weltende,
2. Coyotes Rückkehr kurz vor Wiedererscheinen des großen Häuptlings, 3. Die Auferstehung der
Toten, 4. Die Wiederherstellung der Erde zu ihrer ursprünglichen Form, 5. Ein Leben voller Freude
für die, die Gerechtigkeit lieben, 6. Tod und Wiederbelebung eines Propheten Gottes,
Ankündigung der Ankunft der weißen Rasse, 8. Das Himmlische Buch, das den Weg zu Gott
beschreibt, 9. Die Ankunft der „Blachrobes“, 10. Gott in weißem Gewand auf dem Thron
Die Himmelspforten, die nicht für alle geöffnet werden, 12. Begegnung mit Engeln.
All diese Offenbarungen waren messianischer Natur und beinhalten Elemente des
Millenarismus und christlicher Theologie ( Spier 1935, S.25 ).
Eine der Visionen, die ein Häuptling der Ute, namens Wah-ker empfing wies große Ähnlichlichkeit
mit der christlichen Lehre auf. Mit 25 Jahren hatte er eine merkwürdige Vision:
Er starb und sein Geist befand sich im Himmel. Er sah den den Herrn, weiß gekleidet, sitzend auf
dem Thron. Der Herr sagte ihm, dass er nicht bleiben könne, sondern zurückkehren müsse. Sein
Wunsch war es zu bleiben, aber der Herr sagte ihm, er müsse zurück zur Erde, denn es kämen weiße
Menschen in sein Land, die seine Freunde würden und die er gut gesinnt sein solle. Auch gab der
Herr ihm einen neuen Namen, Pan- a- karry Quinker( Eisernes Federgelenk) (Spier 1935, S.23 ).
Der Thompson Stamm kannte ähnliche Visionen über die Rückkehr Coyotes:
Die Seelen der Verstorbenen werden solange im Totenreich bleiben, bis „Old Man“ und „Coyote“,
durch Boten angekündigt, auf die Erde zurückkommen werden. Sie werden von Osten kommen
und die Seelen auf Wolken von Tabbak mit sich führen; andere Visionäre sahen die Seelen auf
Wolken der Morgenröte kommen ( Spier 1935, S. 60 ).
Andere Prophetien, die christlich anmuten, sagen,
„Das Ende kommt, wenn über einen Zeitraum von sieben Jahren viele widernatürliche Ereignisse
stattfinden. Sie steigern sich von Knospen auf kahlen Bäumen hin zu starken Erdbeben, die Berge
dem Erdboden gleichmachen“ ( Spier 1935, S.60 ). Viele Visionen dieser Zeit enthielten christliche
Elemente und kündigten die Ankunft der Weißen und ihrer Religion an. Silimxnotylmilokobok, der
Prophet der Spokane, sagte: „Bald wird vom Aufgang der Sonne her ein uns völlig unbekanntes
Volk kommen. Es wird ein Buch mitbringen und alles mögliche lehren. Danach wird die Welt
auseinander fallen.“ ( Miller 1950, Vorwort ).
Prohpetien dieser Art waren es, die Erwartung und Vorfreude der Plateau Stämme auf das Eintreffen
der Weißen weiter verstärkten. „ Als die Indianer die ersten Priester sahen, dachten sie Coyote und
seine Helfer vor sich zu sehen“ ( Spier 1935, S.61 ). David Thompson berichtete folgende
ungewöhnliche Begebenheit vom Juli 1811: „Eine Gruppe schickte zwei alte Männer voraus, die
sich auf bemitleidenswerteste Weise flach auf den Boden legten; sie krochen langsam und hoben
von Zeit zu Zeit ihren Kopf, als wollten sie um Gnade flehen...dicht hinter ihnen krochen drei
Frauen auf den Knien; sie schauten mich an mit erhobenen Händen, als wollten sie um Verschonung
ihres Lebens bitten“ ( Spier 1935, S. 18 ).
Diese Beobachtung läßt vermuten, dass die Indianer Thompson als einen Vorboten ansahen.
Nahezu in jedem Camp, das er besuchte, machte Thompson die selben Beobachtungen.
Als er nahe der Cabinet Stromschnellen auf eine Gruppe von Salish stieß, reagierten sie verlegen
und betasteten ihn, um herauszufinden, was für eine Art Mensch er sei“ ( Spier 1935, S. 18 ).
Louis und Clark und andere Eroberer berichteten von ähnlichen Erlebnissen. Die Ankunft der
Weißen kam für die Indianer nicht überraschend, sondern war die Erfüllung zahlreicher Prophetien.
Das Empfinden als „Botschafter“ angesehen worden zu sein kann ebensogut auf einer
Fehlinterpretation der Weißen beruhen, zieht man in Betracht, das dreißig Jahre amerikanisch-
christliche Zivilisation auch sie geprägt haben.
Mit Beginn des 19.Jhdt. begann eine neue Ära für die sich neu formende Nation. Amerika hatte erst
kürzlich die Unabhängigkeit erhalten und die Aneignung riesiger Flächen neuen Territoriums
wollte gefestigt werden.. In nationalistischer Manier versuchte der amerikanische Staat seine
Angehörigen gegenüber allen äußeren Angriffen zu verteidigen.
Eine Schlüsselrolle zur Identitätsfindung dieser neuen Nation spielte die Religion.
So wurde die sogenannte „Zweite große Erweckung“ zu einer einflußreichen Kraft, die die
Ideologie Amerikas prägte. Religiöser Eifer bahnte sich den Weg, beginnend mit dem „Blitz am
Cane River, Kentucky im Jahre 1801, bis sich die Wogen durch den Bürgerkrieg glätteten“
( Miller 1950, S.66 ). Im Jahre 1830 waren Schätzungen zufolge 60% aller Kongressabgeordneten
wiedergeborene Christen.
Miller schreibt, „Die gemeinsame Glaubensüberzeugung wurde für die Amerikaner zu einer Basis,
auf der die verschiedenen Interessensgruppen zusammengeschnmiedet und zu einer nationalen
Identität geführt werden konnten ( Miller 1950, S.66 ).
Die religiösen Überzeugungen gepaart mit amerikanischem Nationalismus und einem ungeheuren
Expansionsdrang prägten das Christentum in Amerika nachhaltig. Das Schicksal Amerikas und die
Erichtung eines Gottesstaates waren untrennbar miteinander verbunden. Protestantische
Evangelikale glaubten, „Das Amerika eine besondere Rolle im göttlichen Plan spiele, und dass
Christus von Amerika aus regieren würde“ ( Miller 1950, S. 67 ). Diese Doktrin wurzelte im
puritanischen Glauben der „göttlichen Vorsehung“, „dass die Erschließung westlicher Gebiete für
Gottes Reich nur möglich sind, wenn die Indianer umgesiedelt werden“ ( Surtevant 1988, S.430 ).
Die Lehre vom tausendjährigen Reich veranlaßte die wichtigsten Entscheidungsträger dazu alles
ungöttlich Anmutende auszulöschen und somit Land ( und Bewohner ) der Zivilisation und dem
Protestantismus zuzuführen. Einen Schwerpunkt im christlichen Gedankenguts bildete die
„westliche Zivilisation“. Die Amerikaner waren davon überzeugt, dass ihre Kultur und Bestimmung
vorrangig vor anderen anzusehen sei. Frühe Missionsgesellschaften und christliche Organisationen
rangen mit diesen zivilisatorischen und evangelistischen Konzepten. Überzeugt davon, dass
Erziehung die zentrale Rolle in der Evangelisation spielt, sicherten die christlichen Missionen zuerst
den Schulbetrieb, bevor sie den Bau der Kirchen in Angriff nahmen ( Sturtevant 1988, S. 437 ).
„Ziel war es, nach britischem Vorbild zu erziehen. (…) Es gab nie eine Diskussion darüber, ob das
Ziel der Mission war zu „evangelisieren“ oder zu „zivilisieren“, da die Schule als Hauptinstrument
der Evangelisation galt“ ( Sturtevant 1988, S.437 ). Die Idee, die „Wilden“ zu zivilisieren entsprang
der „Doctrine of Discovery“, die Legitimation für:
Das Recht und die Freiheit zur Eroberung, die Annektierung ausgedehnter Landstriche, die nicht Eigentum christlicher Prinzen und nicht von Christen besiedelt waren und die Freiheit zu bewohnen und sich zu erfreuen an allem, was sie vorfanden.(...) Indianer sind berechtigt das Land zu bewohnen, ihre Rechte aber, souverän als unabhängiges Volk zu leben, werden notwendigerweise aufgehoben“ ( Sturtevant 1988, S.6-7 ).
Diese Doktrin umfaßte nicht nur die Etablierung amerikanischer Institutionen und der Kultur,
sondern wurde abgeleitet von dem „gottgewollten Recht“ („Devine Right“). Der Kontinent
Nordamerika sollte unter die Herrschaft einer christlichen Nation gebracht werden.
Viele Missionare übernahmen diese Sichtweise und rechtfertigten somit Kolonisation und
Landraub, da beides der Evangelisation von „Wilden“ diente. Die Europäer waren der Meinung,
dass sie das Land besser nutzen würden und leiteten davon das Recht ab es sich anzueignen
(„higher use“). Die vermeintliche „göttliche Vorsehung“ („Devine Providence“) bestand darin, den
Westen unter die Herrschaft Gottes zu bringen, was die Umsiedelung der Indianer voraussetzte.
Die Puritaner hielten sich für den Maßstab der Christenheit und Zivilisation und damit für
„überlegen“, wovon sie das Recht ableiteten, die Indianer umzuerziehen ( Sturtevant 1988, S. 430 ).
Unklar bleibt, ob die Indianer für die ersten Kolonialisten lediglich ein Hindernis bei der
Besiedelung darstellten oder ob sie Missionsfeld waren.
Verglichen mit der langen Zeitspanne, in der das Christentum in Amerika Fuß gefaßt hat, wurden
wenige Versuche unternommen die Indianer mit der christlichen Botschaft zu erreichen.
Bemühungen dahingehend wurden von Kriegen oder anderen Greueltaten zunichte gemacht.
Ein Versuch die „Wilden“ zum Glauben zu führen, waren die sogenannten Gebetsstädte, die um
1600 in Massechusetts entstanden. Schätzungen zufolge umfaßten diese Städte 2500 Gläubige auf
Martha`s Vineyard und wahrscheinlich 2000 Natives auf dem Festland; wie dem auch sei, die
meisten dieser Indianer und Christen wurden von den Weißen im Stich gelassen oder von
feindlchen Stämmen und Siedlern umgebracht, als der `Prinz Philip Krieg` ausbrach. Andere
Missionierungsversuche sind unbedeutend im Vergleich zu den Ressourcen und Missionaren, die
nach Afrika, Indien oder Havaii geschickt wurden.
Aus bestimmten Gründen aber, war man daran interessiert, die Indianer des Nordwestens zu
erreichen: Ein Bericht aus dem Jahr 1822 von S. Adams, einem Studenten des Andover Seminars
an die „Gesellschaft für Missionsanfragen“, wies darauf hin,dass die Indianer der pazifischen
Nordwestküste, derart noble Charaktereigenschaften besäßen, dass sie – nach guter Erziehung als
Christen gutes Material für die kirchliche Sache abgeben würden ( Miller 1950, S.72 ).
Im Weiteren bat er darum, dass die Kirche Anwalt der “unterdrückten Indianer werden solle, anstatt
sie weiter auszulöschen, damit es möglich sei, ihnen die Vorzüge und Freuden einer zivilisierten
Welt vor Augen zu führen und zukünftig gemeinsam mit ihnen, Abraham, Isaac und Jacob im
Reiche Gottes weiterleben zu können“ ( Miller 1950, S. 73 ).
Dieses zog 1829 eine sofortige Aussendung eines Missions-Agenten aus Hawaii nach sich, der
sicherstellen sollte, dass am Pazifik eine Mission aufgebaut werden könne. ( Miller 1950, S.73 ).
J.S. Green entschied, dass die Anstrengungen wegen der Umweltverschmutzung durch weiße
Händler, zu gross seien; allerdinge schienen ihm die Gebiete um den Columbia und Umpqua Fluss
passend. ( Miller 1950, S.73 ).
1831 erhielten Missionsgesellschaften Nachricht, dass vier Indianer der Flathead and Nez Perces in
St. Louis eingetroffen waren, um mehr über den Gott der Weißen zu erfahren. General Clark, der
diese Stämme wärend seiner berühmt gewordenen Reisen besuchte, berichtete, die Indianer hätten
Nachforschungen über „Das Buch der Weißen aus dem Himmel“ angestellt und um Missionare
gebeten:
„Von dort, wo die Sonne untergeht, kamen wir zu euch nach langer Reise.
Ihr seid Freunde unserer Väter gewesen, die nun im Jenseits weilen.
Wir kamen zu euch mit wenig Erkenntnis, halb geschlossenen Augen, um für unsere Stämme, die in Dunkelheit leben, das Licht zu suchen.
Nun gehen wir blind zurück, ohne jegliche Sicht. Wir kamen mit Kraft und starken Armen, überwanden Feinde und unwegsames Land, um mit guter Nachricht zu unserem Volk zurückzukehren. Aber gebrochen und mit leeren Händen werden wir nun vor ihnen stehen. Unsere Stämme sandten uns, um das „Buch aus den Himmeln“ von den Weißen zu holen. Ihr aber brachtet uns zu Orten, wo Gott mit Kerzen angebetet wird, das Buch aber war nicht unter euch. Trauer ist unser Begleiter auf dem langen Weg nach Hause.
Wenn wir dann, nachdem ein weiterer Winter vorübergegangen ist, in der großen Ratsversammlung unserem Volk erzählen werden, dass wir mit leeren Händen gekommen sind, wird Totenstille herrschen. Einer nach dem anderen wird sich wortlos erheben und die Versammlung verlassen.
Unser Volk wird in Dunkelheit sterben und den Weg zu den anderen Jagdgründen gehen. Kein weißer Mann wird uns begleiten und das himmlische Buch wird den Weg dorthin nicht ebnen. Uns fehlen die Worte.“ ( Schwabauer 1995, S.105 ).
Die Plateau Stämme unternahmen vier Versuche Delegationen gen Osten zu schicken, um
Missionare zu bekommen, 1831, 1834, 1837 und 1839. Die westlichen Stämme waren verzweifelt
auf der Suche nach jemandem, der sie über die Religion der Weißen belehren konnte. Viele tapfere
Krieger ließen ihr Leben auf dieser Suche nach Unterweisung und zwei von ihnen starben in St.
Louis. Sie hatten den Weissagungen ihrer Propheten vertraut, die ihnen ankündigten, dass fremde
Botschafter vom Aufgang der Sonne her kommen und sie über den Inhalt eines Buches
belehren würden ( Miller 1950, S.52 ). In ihrer Verzweiflung stellten sie eine Verbindung zu John
Pierre DeSmet her, einem katholoschen Priester aus Council Bluffs, Iowa.
De Smet folgte nur zu gerne dem Ruf der Natives, mußte aber erst zurück nach St. Louis, um die
Erlaubnis des Bischofs einzuholen und finanzielle Unterstützung zum Aufbau der Mission zu
bekommen. In der Zwischenzeit hatten sich bereits protestantische Missionare auf den Weg nach
Westen gemacht, nachdem sie den Hilferuf gehört hatten ( Curley 1927, S.12 ).
Der „Große Auftrag“ wurde zum „Großen Eroberungskrieg gegen die westlich lebenden Indianer“.
Seitdem kommen die Missionare mit dem zweischneidigen Schwert: sie proklamieren das
europäisches Christentum auf der einen und die amerikanische Zuivlisation auf der anderen Seite.
Kein Wunder, dass das einfache Evangelium, das Jesus seinen Jüngern anvertraute, durch Träger
westlichen Gedankenguts verdreht und mißinterpretiert wurde.
1834 beauftragte die Methodistische Missionsgesellschaft Jason Lee eine Mission für die Flathead
zu errichten. Lee sammelte eine Gruppe Kolonialisten um sich, „die durch ihre, an Indianerland
grenzenden Ländereien einigermaßen vertraut waren mit inianischer Lebensweise und
Persönlichkeit!“( Miller 1950, S.78 ). Nachdem eine Begegnung mit den Flathead in Bitterroot
stattgefunden hatte, hielt Lee es für unklug die Pläne voranzutreiben, da die feindlichen Blackfeet in
nächster Nähe wohnten. Der Häuptling der Flathead, Chief LeVieux Ignace wies Lee und die
protestantischen Missionaren zurück, da er die „Black skirts“ vorzog ( Curley 1927, S.9 ). Lees`s
Trupp entschloß sich daraufhin, sich dem Willamette Tal zuzuwenden, wo auf dem Gebiet Oregons
die erste protestantische Mission eröffnet wurde. Ungeachtet der Ablehnung Lees`, organisierte die
„Amerikanische Verein der Beauftragten für Ausländische Mission“ (ABCFM) 1835 eine
Forschungsreise in die Rocky Mountains, die von dem Pfarrer Samuel Parker und einem jungen
Arzt namens Marcus Whitman geleitet wurde ( Miller 1950, S.79 ).
Die Gruppe brach am 15. Mai 1835 von St. Louis auf und traf mit vielen Stämmen am Green River,
dem Sammelplatz für den Herbst, zusammen. „Nach Aussagen sowohl Parkers` als auch Whitmans`
waren die Indianer sehr froh, sie zu sehen und luden sie sofort in ihre Dörfer ein. Nach einem
Treffen mit dem Flathead Häuptling Insula und den angesehensten Kriegern waren die Missionare
überwältigt von der großen Ernsthaftigkeit der Indianer ( Miller 1950, S. 79-80 ). Whitman
kehrte sogleich nach St. Louis zurück, um den ABCFM zu raschem Handeln aufzufordern, während
Parker die Tour fortsetzte. Nach Aussage Whitmans` brachten die Indianer mit Hilfe eines
Dolmetschers ihre Trauer darüber zum Ausdruck, dass die Religion der Weißen nur ihre
Ohren aber nicht ihr Herz erreicht habe. Sie seien aber sehr offen und geneigt jeder Weisung zu
folgen und anzunehmen, was ihnen nahegabracht würde ( Miller 1950, S.80 ).
Die Missionsdirektion entsendete darauf hin Whitman und Henry Spalding, zusammen mit ihren
Ehefrauen, um Missionen unter den Indianern der Rocky Mountains aufzubauen.
Am 6. Juli 1836 traf die protestantische Expedition mit den Plateau Indianer bei deren jährlichem
Treffen mit den Pelzhändlern zusammen. Spalding and Whitman trafen Abgesandte der Nez
Perces, Cayuse und Shoshone. Die Flathead hatten das Lager früher verlassen, da ihnen die Vorräte
ausgegangen waren, und sie auf die Jagd gehen mußten. „Spalding schrieb dem ABCFM,
`Als die Nez Perces erfuhren, dass wir im Camp waren besuchten sie uns für zwei Tage und
begegneten uns mit großer Zuvorkommenheit und sichtlicher Befriedigung. Sie wünschten sich,
dass wir sofort ihr Dorf besuchten, das drei Tagesreisen von Walla Walla entfernt war und dort
bleiben würden`“ ( Miller 1950, S.83 ). Da es Meinungsverschiedenheiten gab zwischen den Nez
Perces und den Cayuse, den Standpunkt der Mission betreffend, brauchten wir zwei
Missionsstationen. Spalding und Whitman entschieden sich für zwei Orte, einen in der Nähe von
Walla Walla bei den Cayuse und den anderen hundert Meilen weiter bei den Nez Perces ( Miller
1950, S.84 ). Zufrieden begleiteten die Indianer die Missionare zu ihren Lagerplätzen. Während
Spalding and Whitman daran arbeiteten ihre Missionsstationen aufzubauen erreichte sie die
Nachricht, dass die Katholiken überwältigende Aufnahme bei den Flathead gefunden hätten. Vater
DeSmet hatte 1840 einen Erkundungsfeldzug zu den Rocky Mountains gestartet, um zu eruieren,
welche Möglichkeiten zur Errichtung einer katholischen Missionsstation bestünden.
Ausschlaggebend hierfür war die Begegnung mit einem Flathead/ Iroquis mit Namen Young Ignace
in Council Bluffs, Iowa ( DeSmet 1842, S.332 ). DeSmet traf die Flathead an ihrem Treffpunkt am
Green River und pries es als ein außergewöhnliches Erlebnis. Er schrieb, „Mein Besuch war
Nachforschung und Anfrage zugleich, sozusagen vorbereitender Natur – und welch eine zu
bewundernde Veranlagung haben diese armen Menschen – so vollkommen hat Gott in seiner Gnade
die Herzen vorbereitet, dass wir schon jetzt von der Bekehrung einer ganzen Nation sprechen
können ( Miller 1950, S.92 )
DeSmet war auf Gund der begeisterten Aufnahme außer sich vor Freude. Sofort machte er sich auf
den Weg, um genügend Vorräte und Priester zu besorgen. Als er im Frühjahr 1841 in Begleitung
von Young Ignace zurück kam, wurde er von einer Gruppe Flathead begrüßt, die warteten, um ihn
in ihr Lager am Beaver Head zu begleiten. DeSmet beschrieb das Wiedersehen folgendermaßen,
`Am 30. August trafen sie auf eine große Delegation von Flatheads, angeführt von Häuptling
Ensyla, der gekommen war, um sie zum Camp auf dem Beaver Head zu geleiten, während der
Stammzu sommerlichen Büffeljagd auf den westlichen Berghängen in Richtung der Großen Ebenen
unterwegs war. Auf beiden Seiten war die Freude gross wieder zusammen zu sein! Nach ein paar
gemeinsamen Tage machten sich die Missionare unter Begleitung einer Abordnung der Flathead auf
den Weg in die Rocky Mountains` ( Curlry 1927, S. 84 ).
1600 Flathead erwarteten sie beim Red Rock Lake an der Grenze zwischen Idaho / Montana und
es wurde berichtet:
Die Flathead und Ponderas – insgesammt 1600 Personen – hatten sich im herrlichen Stans- Tal
versammelt. (…) Die überwältigende Freude, mit der sie unsere Ankunft feierten, die Rufe der
jungen Krieger, die Tränen der Ältesten, die Dankesgebete zum Schöpfer, der ihnen die Gunst
erwiesen hatte einen `Blackgown` (katholischen Geistlichen ) noch vor ihrem Tod zu sehen, diese
Willkommensszenen werde ich niemals vergessen ( DeSmet 1842, S.36 ).
Die Aufnahme, die die protestantischen Missionare erfuhren, fiel dagegen gering aus.
Als die `Blackgowns` das Lager erreichten gab es große Aufregung. DeSmet schrieb:
Sofort war das ganze Dorf in Bewegung. Männer, Frauen und Kinder, alle kamen, um mir die Hand
zu geben und in großem Triumpf wurde ich zu dem großen Häuptling Tjolizhitzny ( Große Nase )
geführt. Umgeben von den anderen Häuptlingen und anerkanntesten Kriegern hub er an und sagte:
`Heute hat Kyleeuou ( Der Große Geist ) unsere Wünsche erfüllt und unsere Herzen quellen über
vor Freude. Unsere Sehnsucht danach in Gottes Wegen unterrichtet zu werden war so groß, dass wir
drei Delegationen nach St. Louis schickten, um einem Priester zu erbitten. Nun, Vater, sprich
und wir werden allem zustimmen, was du sagst. Zeige uns den Weg, den wir gehen müssen, um zur
Wohnung des `Großen Geistes`zu gelangen. (…) An diesem Abend versammelten sich ca. 2000
Indianer vor meiner Hütte, um gemeinsam Gebete zu sprechen. Nachdem das Abendgebet
gesprochen worden war, erhob sich ein feierlicher Lobgesang der Indianer, den Kindern der
Berge, eigens für ihren Schöpfer kreirt ( Curley 1927, S.80 ).
DeSmet verfasste ähnliche Berichte über jeden Stamm, den er besuchte, den Sioux, den Crow, den
Cheyenne sowie vielen anderen. Die Snakes begrüßten ihn mit den Worten, „Blackgown“, sagten
sie, „deine Worte haben den Weg in unsere Herzen gefunden und wir werden sie niemals vergessen.
Unser Land ist offen für deine Botschaft; komm und lehre uns, wie wir dem `Großen Geist`dienen
können und du wirst sehen, dass wir uns entsprechend deiber Ausführungen verhalten werden“
( DeSmet 1842, S.335 ). Über eine Begegnung mit den Blackfeet, denen er versucht hatte
auszuweichen, schrieb er:
`Der Häuptling brachte mich auf einem großen Büffelfell, das an den Enden von vier starken
Kriegern getragen wurde, in sein Zelt. Hier, wo er auserwählte Krieger versammelt hatte, plazierte
er mich in die Mitte und sagte, `Dieses ist der glücklichste Tag meines Lebens. Es ist das erste
Mal, dass wir einen Mann in unserer Mitte haben, der in so einer vertrauten Beziehung mit dem
`Großen Geist`steht. Blackgown, hier siehst du die Würdenträger meines Stammes versammelt;
ich habe sie zusammengerufen, damit sie alles, was du sagst für immer in ihrer Erinnerung
behalten`. Darauf bat er mich zu beten. Ich begann, indem ich mich bekreuzigte und alle Wilden
hoben ihre Hände gen Himmel. Als ich mein Gebet beendet hatt, stampften sie auf den Boden. Ich
fragte den Häuptling, was dieses bedeute und er sagte, `wenn wir unsere Hände erheben zeigen wir
wie sehr wir vom `Großen Geist` abhängig sind und dasser für uns sorgt; dann treten wir auf den
Boden, um zu zeigen, dass wir in seinen Augen wertlose Geschöpfe sind, ähnlich den Insekten, die
am Boden kriechen`(DeSmet 1842 S. 330 ).
Hätten die Missionare die tiefere Bedeutung ihrer gefeierten Aufnahme erkannt währen ihre
Strategien wahrscheinlich andere gewesen; wie dem auch sei, die Überzeugungen, die in ihre Köpfe
eingraviert waren, prägten ihr Verhalten und ihre Arbeit. Als Spalding einer Nez Perce
Familie begegnete, die ihr totes King begrub und ein Kreuz am Grab befestigte, schalt er sie dafür
und wies sie an das Kreuz durch einen Stein zu ersetzen.Die Loyalität der Menschen schwand, als
Spalding dazu überging, sie bei Zuwiderhandlungen zu schlagen; trotzdem aber blieben sie bei ihm.
Spalding legte seine gesamte Energie in die Umerziehung der Indianer: sie sollten nicht mehr als
Nomaden und Jäger leben, sondern als sesshafte Farmer. Whitman versuchte die Indianer zu
erziehen und zu lehren und praktizierte als Arzt. Keine Mission löste die Erwartungen der Indianer
ein. Die strenge und unsensible Herangehensweise der Missionare und ihr hartnäckiger Angriff auf
indianische Glaubensinhalte mutete zwanghaft an, als sich die Kritik auch gegen die als heidnisch
empfundene Kultur wandte. In seinem Buch „Neither Wolf nor Dog“ von 1997, beschreibt Ken
Nerburn die Gedanken eines Ältesten aus dem Stamm der Sioux:
`Ihre ständigen Angriffe auf die Religion des Roten Mannes und die Entwertung seines Glaubens
und seiner rituellen Praktiken, die allesamt als Aberglauben angesehen werden, verhindert, dass die
Missionare geistliche Werte und Ideen der Indianer als Bindeglieder verwenden, um uns das
Evangelium zugänglich zu machen und zu bewirken, dass der christliche Glaube sich uns
erschließen kann ( S. 439 ).
Die Erwartung der Indianer war es, aus dem Glauben Kraft zu empfangen, um ein besseres Leben
führen zu können, aber sie hatten nicht damit gerechnet nun wie die Weißen leben zu müssen. Sie
hatten gehofft, dass die Kraft Gottes ihnen beim Jagen und im Kampf Erfolg bescheren würde,
konnten es aber nicht akzeptieren in Reichweite der Mission sesshaft werden zu müssen ( Antrei
1963 S.98 ). Den Flathead wurden , durch die `christliche Medizin`, die ihnen Sieg in der
Kriegführung brachte, allerorts gewürdigt. Als aber die Jesuiten in die Kampfhandlungen zwischen
Salish und Blackfeet eingriffen, fühlten sich die Salish hintergangen und kehrten zu ihrer alten
Lebensführung zurück ( Antrei 1963, 98 ). Der Traum der Jesuiten eine katholische Festung in den
Rocky Mountains zu etablieren schwand, als 1847 Dr.Whitman und dreizehn weitere Personen der
Walla Walla Mission von den Cayuse getötet wurden.
Nachdem an Masern erkrankte Stammesmitglieder nach medizinischer Behandlung gestorben
waren, gingen die Cayuse davon aus, dass Whitman sie vergiften wollte. Auch machten sie ihn für
die Flut von Siedlern verantwortlich, die ihre Gebiete überschwemmten und für die Stationierung
von Truppen, die den Kampgf gegen sie eröffneten. Die Cayuse griffen die unbewachte Mission an
und töteten alle Bewohner. Daraufhin gaben die Jesuiten unverzüglich ihre Missionen auf und auch
Spalding trat von seiner Mission in Lawapi zurück. Das große Missionsabenteuer endete als
H.A.Lee, Superintendent für Indianermission, das Landesinnere für Missionare schloss. ( Miller
1950, S.109 ). Die Prophetie hatte sich erfüllt - die Ende der indianischen Ära hatte begonnen.
Folgendes Zitat John Mullens`von 1862 hinsichtlich des Niederganges der indianischen
Bevölkerung faßt das, von Dominanz geprägte Ansinnen der Weißen, die Assimilation der Natives
betreffend, zusammen: „Der Indianer ist dazu bestimmt aus dem Blickfeld des weißen Mannes zu
verschwinden und es fragt sich nur, wie sein Untergang für ihn am wenigsten schmerzvoll und für
uns am kostengünstigsten bewerkstelligt werden kann“ ( Montana Indians 1974, S.12 ).
Die Plateau Bewohner hatten ihre Wohnstätten und ihr Land für die Missionare geöffnet in der
Hoffnung, den Weg zu findenauf dem sie Gott am besten dienen könnten.
Durch das Reden ihrer Propheten waren ihre Herzen vorbereitet, die Botschaft der Erlösung durch
Jesus Christus anzunehmen. Den Boten vom Aufgang der Sonne aber, versagten darin, die ihnen
anvertraute gute Botschaft zu vermitteln: statt dessen führten sie ein System ein, das
die Lebenswelt der Indianer zerstörte. Das wahre Evangelium von Jesus Christus, das die
Indianer von ganzem Herzen herbeigesehnt hatten, war enstellt und verfälscht worden.
Ich frage mich, was geschehen wäre, wenn die Gute Botschaft, mit Hilfe des kulturelle Erbes der
Plateau Indianer, sich in ihrer ganzen Fülle hätte entfalten können.
Ich bin gefragt worden, was der Wert oder die erlösende Botschaft dieses Essays sei. Ob ich
versuchen wolle bereits vergessene Gefühle wachzurütteln. Ich sehe zwei und mehr wichtige
Botschaften, die es zu vermitteln gilt. Erstens, deutlich zu machen, dass eine ganze Nation von
Christen durch falsche Behauptungen beeinflußt werden kann. Dies versetzt mich in Angst und
Schrecken. Es stellt sich die Frage, ob auch ich Irreführung und weltlichem Betrug erliegen könnte.
Es gilt meine Nation und ihre Gedankengebäude auszuwerten. Welchen Gedanken und
Glaubensgrundsätzen folge und aus welchen Beweggründen heraus handel ich?
Das Zweite ist: Die Plateau Indianer erwarteten Erleuchtung, Aufklärung und Anweisung um Gott
besser dienen zu können. Diese Erwartung verwandelte sich in Verzweiflung und die Indianer baten
dringend , um Unterweisung für den „Guten Weg“. Die Geistlichen, die mit Sicherheit gutwillig
waren, verpassten die Gelegenheit, den Indianern das Reich Gottes und Jesus als den König, auf
eine für sie verständliche und nachvollziehbare Art nahezubringen. Hierin liegt es begründet, dass
die Natives letztendlich die Religion der Weißen ablehnten. Meine Hoffnung und mein Gebet ist,
dass Gott in seiner großen Liebe und Gnade nicht erlauben wird, dass der verzweifelte Ruf nach
ihm unbeantwortet verhallt. Ich bete, dass Gott eine neue Gelegenheit schenkt, um den Indianer das
Evangelium von Jesus Christus nahezuberingen und uns ermöglicht Gottes echtes Wirken unter
unseren Stämmen zu erleben. Meiner Meinung nach muss es ein neues Denkmuster für
Evangelisation und Mission unter den Indianern geben. Wir müssen akzeptieren, dass die
indianische Seele die Dinge anders wahrnimmt, als der Durchschnittschrist. Wir mögen `Ja`sagen,
aber unser Herz wurde dennoch nicht erreicht. Die Traumata und Ungerechtigkeiten der
Vergangenheit sind in den Herzen vieler Natives noch nicht verheilt und oftmals noch nicht einmal
benannt worden. Die Aussöhnungstreffen der 90iger berührten höchstens die Oberfläche und
erleichterten das Gewissen unserer weißen Brüder, die Probleme aber sind weiterhin vorhanden.
Das was geschah kann man vergleichen mit einem Mann, der auszog, um eine Botschaft zu
überbringen, stattdessen aber ein Pferd stahl. Eines Tages kam er auf dem selben Pferd zurück, bat
um Vergebung für den Diebstahl, vergaß abermals die Botschaft und ritt auf dem gestohlenen Pferd
zum Lager hinaus. Vergebung hatte er zwar bekommen, aber die entstandenen Probleme blieben.
Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Indianer denken. Wir können nicht erwarten, dass sie so
rational funktionieren, wie Angloamerikaner. Auch können wir die Natives nicht nach dem
vorherrschenden Wertesystem beurteilen, da sie ihr eigenes Wertesystem entwickelt haben, dem sie
mehr Bedeutung beimessen.Die Native Americans sind ein traumatisiertes Volk. Da diese Situation
für das Wirken dämonische Mächte Tür und Tor geöffnet hat, besteht hier ein großer Bedarf an
Diensten und Hilfswerken. So müssen wir irgendwie versuchen sowohl Energie, alsauch
wirtschaftliche und finanzielle Quellen aufzutun, um die Art von Dienst unter den Indianern
freizusetzen, der unsere Leute wirklich erreicht und ihnen dient. Die Gegenseite so herauszufordern,
mit anderen Worten, diesen großen Kampf zu kämpfen muss erste Priorität haben. Meiner Meinung
nach steht und fällt die amerikanische Kirche mit ihrer Antwort auf genau diese Frage.
Die Kirche Amerika muss ihren ursprünglichen Ruf für diesen Kontinent endlich verstehen.
Nach meinem Verständnis brachte die göttliche Vorsehunhg den christlichen Glauben zu diesem
Erdteil. Gottes ürsprüngliche Intention war es, den Native Amerikans das wahre, unverfälschte
Evangelium von Jesus Christus zu bringen. Stattdessen aber wurde die Mission untergraben und
abgebrochen. Religion und Zivilisation waren der Ersatz für die erfahrbare Realität Gottes in
seinem Sohn Jesus. Den Indianern wurde ein Frömmigkeitsstil vermittelt, aber die Liebe und die
Kraft Gottes wurden geleugnet. Gott ruft die amerikanische Kirche heute dazu auf Buße zu tun,
sich der ursprünglichen Mission zuzuwenden und den Dienst an den Indianern zu Ende zu führen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass dieses die Priorität der Kirche Amerikas ist, bevor es eine
Erweckung geben kann.Gottes Zeitrechnung ist eine andere. Für ihn sind 400 Jahre, als sei es
gestern gewesen.
„So spricht der Herr; Tretet auf die Wege, seht und frgt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ ( Jeremia 6:16
References
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